Das Passivrauchen

Das unfreiwillige Einatmen von Zigarettenrauch, das Passivrauchen, ist ebenfalls stark gesundheitsschädigend. Gewisse, im Rauch enthaltene toxische Substanzen, wie Nitrosamine und Dioxine, sind im Seitenstromrauch der Zigarette in viel höherer Konzentrationen enthalten, als im durch den Filter inhalierten Rauch. Beim Passivrauchen wird das Lungenkrebsrisiko um 26% , das Risiko für Herzkreislauferkrankungen um 25% erhöht. Weitere Gesundheitsrisiken des Passivrauchens sind Brustkrebs, Hirnschlag, Bronchitis und Asthma.
 

Die moderne Form der Kindsmisshandlung

Kleinkinder und Föten sind ganz besonders empfindlich gegen Tabakrauch. Das Geburtsgewicht von Neugeborenen liegt um 200 Gramm tiefer, das Risiko für Frühgeburten steigt bei rauchenden Müttern. Während der Schwangerschaft wird die psychische Entwicklung des Kindes beeinträchtigt. Mittelohrentzündungen, Asthma, Augenentzündungen, die Entwicklung von Hirntumoren und Lymphdrüsenkrebs sind nur einige Beispiele der gesundheitlichen Folgen für die Kinder. Auch die Vorbildfunktion der rauchenden Eltern wird das spätere Rauchverhalten entscheidend beeinflussen.


Folgen für die Raucher

Die Hälfte aller regelmässig Rauchenden wird an den Folgen des Rauchens sterben. In der Schweiz stirbt jede Stunde ein Mensch an den Folgen des Tabakkonsums, dies entspricht mehr als 8‘000 Toten (13 x mehr als beim Strassenverkehr), 16‘000 werden jährlich zu IV-Bezügern. Gemäss WHO versterben im Jahr 2005 weltweit jährlich 4.9 Millionen Menschen. Auf Grund des weltweiten Konsumverhaltens postuliert die WHO ab dem Jahr 2030 eine jährliche Sterblichkeit von 10 Millionen Personen. Keine andere Krankheit (Malaria, AIDS) kommt nur in die Nähe dieser immensen Sterblichkeitsrate. Der Zigarettenkonsum macht ein Sechstel aller Todesfälle aus.
    
Folgen für die Gesellschaft

Natürlich ist es in einer freiheitlichen Gesellschaft den Menschen unbenommen, sich zugrunde zu richten. So lange jedenfalls, als sie dabei nicht andere über Gebühr belasten oder mit ins Verderben ziehen. Doch beim Tabakkonsum ist beides nicht der Fall: Raucher sind sowohl für den Geldbeutel, wie für die Gesundheit der Nichtraucher eine grosse Belastung.

Die direkten und indirekten Gesundheitskosten belaufen sich auf rund ein Viertel! der gesamten
 

Gesundheitskosten, in der Schweiz entsprechend 10-12 Milliarden Franken. Dem gegenüber stehen Einnahmen durch die Tabaksteuer von 1.7 Milliarden und die Mehrwertsteuer von 250 Millionen entgegen. Das Verhältnis Ausgaben zu Einnahmen beträgt also 6 zu 1, was der Allgemeinheit mit ständig steigenden Krankenkassenprämien in Rechnung gestellt wird.


Politische Folgen

Längst wurde erkannt, dass mit Freiwilligkeit keine befriedigenden Verhältnisse für Nichtraucher geschaffen werden können. So wie der Raucher sich seine Freiheit zum Rauchen nimmt, haben in mehreren Umfragen 75% der Bevölkerung entschieden, rauchfreie Luft einatmen zu wollen. Ein umfassender Passivraucherschutz steht deshalb in den meisten europäischen Ländern kurz vor der Einführung. Die Beschränkung der Tabakwerbung, kein Verkauf von Tabakwaren an unter 18-Jährige und die Anhebung des Zigarettenpreises sind weitere wirksame Massnahmen, um die Rauchprävalenz markant zu senken. In Kalifornien wurde in den letzten 25 Jahren die Anzahl der Raucher durch diese Massnahmen von 32% auf 18%< gesenkt.


Fazit

Weil das Rauchen ein sehr heikles und emotionsgeladenes Thema ist, die Versuchung deshalb gross ist, die schwerwiegenden Auswirkungen des Tabakkonsums auf die öffentliche Gesundheit vorsätzlich zu verschleiern, möchten wir nun in den nächsten Folgen einen ehrlichen Beitrag zur Verbesserung des Informationsstandes und persönliche Möglichkeiten in Bezug auf das eigene Konsumverhalten aufzeigen. Massnahmen zum Einbezug des unmittelbaren Umfeldes in Familie und Beruf sollen angesprochen werden.

Raucher sollen nicht ausgegrenzt, sondern in unsere Fitnessbewegung integriert werden.

Bleiben Sie dran!
 


  Dr. med. Karl Klingler
Jahrgang 1956
Medizinstudium Universität Zürich
Facharzt für Innere Medizin und Lungenkrankheiten
LungenZentrum Hirslanden und RauchstoppZentrum Zürich
www.lungenzentrum.ch
www.rauchstoppzentrum.ch