Feindbild Zucker

Zucker – der offensichtliche Feind?!

In den Medien ist Zucker der neue Staatsfeind Nummer eins und jeder, der etwas auf sich hält, startet einen Zuckerverzicht, um auszuprobieren, wie der Körper auf Zuckerentzug reagiert.

Aber wie viel Zucker ist noch ok und ab wann ist es zu viel? Bei einer durchschnittlichen Aufnahme von 2’000 Kilokalorien pro Tag sollten davon maximal 50 Gramm in Form von Zucker aufgenommen werden. Zucker im Kaffee ist nicht zwingend schlimm. Problematisch ist die häufige Verwendung als «versteckter» Zucker in verarbeiteten Lebensmitteln wie Joghurt, Müslimischungen und Fertigprodukten, in denen der Zuckergehalt häufig unterschätzt wird. Ein 180-Gramm-Fruchtjoghurt enthält im Schnitt 15 Gramm zugesetzten Zucker. Dazu noch eine kleine Menge Knuspermüsli mit ca. 20 Gramm Zucker pro Portion und schon ist bereits über die Hälfte der empfohlenen Zuckermenge pro Tag zum Frühstück verzehrt.

Süsses trinken oder lieber Süsses essen?
Aber auch Süssgetränke, bei denen der Zuckergehalt offensichtlich ist, tragen überdurchschnittlich dazu bei, dass der empfohlene Zuckerverzehr schnell überschritten ist. Mit fünf Deziliter Eistee oder Limonadengetränk ist die maximal empfohlene Zuckermenge erreicht – das heisst: Keine weiteren Süssigkeiten oder gezuckerten Milchprodukte mehr an diesem Tag!

Sinnlose Zuckeralternativen
Soll ich jetzt auf Zuckeralternativen wie Honig, Agavensirup, Kokosblütenzucker & Co. umstellen? Nein! Denn diese enthalten genauso Kalorien und vor allem Fruchtzucker, der in grösseren Mengen eine mögliche Insulinresistenz verstärkt. Zudem sind die meisten Zuckeralternativen ökologisch fragwürdig, da sie oft nicht aus der Region stammen, zum Monokulturanbau beitragen und weite Transportwege hinter sich haben.

Weg vom Ersatz, hin zum richtig dosierten natürlichen Geschmack
Was ist mit Xylit (Birkenzucker) und Erythrit? Ok, diese Zuckeralkohole sind nicht kariogen, enthalten teilweise Kalorien und wirken in grösseren Mengen abführend.
Süssstoffe wie Saccharin, Cyclamat & Co. sind mögliche Alternativen. Aber eigentlich sollte der Trend hin zu weniger gesüssten Lebensmitteln und zurück zum natürlichen Geschmack gehen und nicht, den Zucker ständig ersetzten zu wollen. Denn auch hier ist es wie mit allem im Leben – die Dosis macht das Gift! Von bewusst eingesetztem Zucker in Kaffee oder einem Teelöffel voll in einem Naturjoghurt wird niemand dick und krank, genau wie eine Portion Frucht (so gross wie eine Faust) kein Problem mit dem Fruchtzucker bereitet. Ungesund ist der übermässige und isolierte Genuss von Zucker, womöglich noch in der Kombination mit Fett in verarbeiteten Lebensmitteln (z.B. Schoggigipfeli, Guetzli, Berliner, etc.).

Dominique Judith Remy, dipl. Ernährungsberaterin HF