Im Gym unter Wölfen: mein Rudel-Moment  

Lesezeit: 3 min | Autorin: Silvia Talabér

OMG – dachte ich, als ich kürzlich in meinem Heimstudio im Freihantelbereich trainierte und mich inmitten eines trainierenden Männer-Rudels wiederfand. 11 Männer, die wie Wölfe um die Maschinen schlichen, ihre Spiegelbilder wie ihr nächstes Opfer mit scharfem Blick fokussierten und die schweren Hanteln wie ihre jüngst erlegte Beute umklammerten. Ein Erfahrungsbericht.

Klischeehaft? Voll!  

But hey, let me explain: 11 Männer und ich – das war ehrlicherweise etwas einschüchternd. Dennoch trainierte ich und versuchte, mir meine Verunsicherung nicht anmerken zu lassen. Mein Kopf aber entspannte sich nicht.  

Die Tatsache, DASS ich mich in dieser Situation etwas unwohl fühlte, überraschte mich. Denn ich bin die, die euch im letzten Blog-Beitrag erzählt hat, dass physisch und muskulär stark zu sein mehr Selbstwirksamkeit auslöst – und somit das Selbstbewusstsein und den Selbstwert stärken kann.  

Wieso also sollte jemand wie ich, die von sich behauptet, selbstbewusst zu sein, eine 36-jährige Frau, die sich im Gym dazu noch relativ gut auskennt, in so einer Situation verunsichert sein?  

Ich war irritiert. Von mir selbst. So viel zu Empowerment. Wtf.  

«Besitze deine Gedanken» gehört zu meinem Credo «Own it». Dass ich meine Gedanken in dieser Situation nicht wirklich unter Kontrolle hatte, beschäftige mich. Fluchtinstinkt, weg vom Wolfsrudel – das war mein erster Impuls. Aber warum nur?  

Klar, historisch gewachsen gibt’s einige Evidenzen, die sagen: Männer = böse, viele Männer = gefährlich. So sind unsere weiblichen Synapsen gekoppelt und sozialisiert…aber genau hier liegt der Wolf, äh der Hund begraben. Denn in der Regel ist niemand im Gym, um böse zu sein. Auch Männer nicht. Seien wir mal ehrlich: Die allermeisten Menschen (unabhängig vom Geschlecht) sind im Gym genug mit sich selbst beschäftigt: Selbstfürsorge, Selbstoptimierung, Selbstgestaltung sind hier die Schlagworte. Fällt was auf?

Es geht um einen SELBST.  

Bei meinem nächsten Besuch achtete ich genauer auf meine Umgebung. Und ich erkannte:  

They don’t give a fuck.  

Sie kümmern sich um sich selbst, nicht um mich. Egal ob Wolf oder Wölfin. Mein Fluchtinstinkt: In dieser Situation veraltet. Mein Empowerment? Wohl hier noch nicht ganz ausgereift. Mein Learning: Meine Synapsen für diese Gym-Situation neu verknüpfen. Mein Ziel: Ich will, dass ich meine Gedanken besitze – und nicht umgekehrt. Schon gar nicht wegen fehlplatzierter Fluchtinstinkte.  

So wie alle anderen muss auch ich im Gym voll und ganz bei mir sein. I should «give less fucks»* about the others. Because they. do. not. care.

Die Evaluation dieser Situation und vertiefte Reflexion meiner Gedanken hat bewirkt, dass ich mich nun komplett ohne Scheu, nicht wie eine Gejagte, im Gym bewege. Auch im Freihantelbereich.  

Fazit: Own it – deinen Körper, dein Spiegelbild, deine Gedanken.  

Damit du beim nächsten Blick in den Gym-Spiegel dich, nur dich und niemanden sonst jagst. Sei eine Wölfin!  

Bis bald,  

Silvia  

*Berühmter Satz aus dem mehrfach preisgekrönten und herrlich ironischen Buch «The subtle art of not giving a fuck» von Marc Manson. Das müsst ihr einfach gelesen haben!